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  • Das Dilemma der Bewertung nach Leistung

    Nachdem ich mich selbst vor einigen Jahren über Pottermore vom sprechenden Hut ins Haus Hufflepuff einsortieren ließ, hatte ich schnell eine Erklärung dazu, denn es ist bekannt, dass der Hutes danach sortiert was eine Person am höchsten wertschätzt und nicht nach dem was sie selbst ist.

    Das passt für mich, denn ich selbst bewerte Menschen gerne danach, wie viel Mühe sie sich geben und habe mir auch als Schüler immer gewünscht nach Fleiß und weniger direkt nach Ergebnis bewertet zu werden. Das ist ein seeehr hufflepuffiger Gedanke und ich kann guten Gewissens behaupten, dass ich mich geehrt fühle von Pottermore nach Hufflepuff sortiert worden zu sein.

    Doch inzwischen ist mir auch klar geworden, wie die positiven Eigenschaften, die Haus Hufflepuff zugeschrieben werden, teilweise die negativen Eigenschaften beeinflussen die man ebenfalls mit Hufflepuff verbindet.

    Was sind es denn für Stärken die man Hufflepuff zuschreibt? Geht man nach den Liedern des Sprechenden Hutes so finden sich folgende Eigenschaften direkt erwähnt.

    Harry Potter und der Stein der Weisen

    You might belong in Hufflepuff,
    Where they are just and loyal,
    Those patient Hufflepuffs are true
    And unafraid of toil;
    
    • Gerechtigkeit
    • Loyalität
    • Aufrecht
    • Unerschrocken im Angesicht von Arbeit (fleißig)

    Harry Potter und der Feuerkelch

    For Hufflepuff, hard workers were
    Most worthy of admission
    

    Hier wieder die Information, dass Hufflepuffs Arbeitsmoral als höchstes Gut bewerten.

    Harry Potter und der Orden des Phönix

    Said Hufflepuff, “I’ll teach the lot
    And treat them just the same.”
    ...
    Good Hufflepuff, she took the rest
    and taught them all she knew
    

    In diesem Jahr betont der Hut besonders die Offenheit und Willigkeit allen eine Chance zu geben die ebenfalls Helga Hufflepuff in besonderem Maße zugeschrieben wird.

    Was Hufflepuff hingegen nicht zugeschrieben wird, ist hoher Intellekt. Sicher gab es auch viele kluge Hufflepuffs, aber es gibt ja auch extrem loyale Slytherins und hart arbeitende Gryffindors. Kein Haus hat Anspruch darauf eine Eigenschaft ausschließlich für sich zu proklamieren. Intelligenz und einen schnellen Kopf, der problemlos um Ecken denkt wird so besonders Ravenclaw zugeschrieben, und hier ist – wie ich finde – ein interessanter Punkt gefunden, an dem sich die Arbeitsmoral von Hufflepuff selbst unter den Scheffel stellt.

    Um darzustellen was ich aussagen möchte, hier ein Sprachbild von einem Klischee-Ravenclaw und einem Klischee-Hufflepuff die beide versuchen Blätter an einem Hang zusammen zu rechen.

    Der Hufflepuff wird vermutlich anfangen wo er ist und beharrlich arbeiten, bis er den Hang abgearbeitet hat. Der Ravenclaw wird die Lage erst überdenken und, falls es keine ganz andere Lösung gibt, zumindest zusehen, dass er mit der Windrichtung und von oben nach unten arbeitet, sodass die Kräfte der Natur die Arbeit unterstützen. Dem Hufflepuff traue ich es zu, dass er eine Art Stolz fühlt gegen den Hang und den Wind zu arbeiten. Zum Ziel kommen sicher beide, aber die Hufflepuff-Eigenschaft Arbeitsmoral vor Effizienz ins Feld zu führen kostet hier Zeit und Kraft.

    Persönlich glaube ich, dass dieses Beispiel sich auf viele Dinge im Leben eines Klischee-Hufflepuff und Ravenclaw anwenden lässt. Aber während der Hufflepuff vielleicht ehrenhaft und entschlossen an seinen schwächsten Bereichen feilt, sucht sich der Ravenclaw oder für diesen Fall Slytherin einen Kampf aus, bei dem er von vorne herein im Vorteil ist und kämpft an den Bereichen in denen er bereits gut ist.

    Es ist nur eine Theorie, aber ich denke das ist der Grund weshalb Hufflepuff auf der “Intellektrangliste” in Hogwarts auf Rang 4 steht. Wir kämpfen gegen unsere Schwächen anstatt unser Wissen auf Gebieten zu erweitern in denen wir ohnehin schon gut sind. Somit entstehen viele rundum “Gute” und wenige brilliante Menschen die dafür auch größere Schwächen haben.

    Durch dieses Gleichnis ergibt sich für uns alle auch die Frage an welchen unserer Fähigkeiten wir arbeiten wollen. Arbeiten wir wie ein Hufflepuff am Ausgleich unserer Schwächen, oder wie ein Ravenclaw/Slytherin an Gebieten bei denen wir ohnehin schon die Nase vorne haben?

    Außerdem ergibt sich die Frage, ob eine Bewertung nach Fleiß so uneingeschränkt brauchbar ist, wie ich in der Vergangenheit dachte. Denn ab einem gewissen Punkt ist Arbeitsethos vielleicht mehr Stolz und Glaube, als hilfreich und daher fördernswert.

  • Extreme Tee Auszüge

    Zwar halte ich mich nicht für einen übermäßigen Tee-Experten, aber ich würde ihn als das Getränk bezeichnen, das mich bisher durchgängig im Leben begleitet hat und ich schätze ihn durchaus auch als Ritual und genieße seine Variationen. Auf der Suche nach einer Art der Zubereitung, die der Pflanze und der aufwändigen Zubereitung angemessen ist bin ich auf den Kaltwasserauszug gestoßen und kann sagen, er macht mich ein Stück glücklicher!

    Hier wird nicht auf die Temperatur geachtet, obwohl man ihn vielleicht sogar per Kühlschrank noch verlangsamen könnte…

    Normalerweise schütte ich mir immer abends eine Menge Wasser in ein Gefäß meiner Wahl und streue dann den losen Tee oben auf. So hat der Tee Verbindung zu Luft und Wasser, kann atmen und, je nach dem wie esoterisch man denken will, auch die Elemente verbinden. Auf alle Fälle zieht er deutlich langsamer und kann sich besser entfalten, als z.B. in einem Beutel.

    Bei meiner Recherche habe ich gelesen, dass Tee aus japanischem Anbau trotz Kaltauszug deutlich schneller zieht als z.B. Tee aus China oder Indien. Allerdings kann ich nicht erklären warum das so wäre, und gebe diese Information daher hier nur unverifiziert weiter.

    Was ich aber, der Vergesslichkeit sei Dank, bemerkt habe, ist dass der Tee anfängt ganzt sanft zu schäumen wenn man ihn lang genug stehen lässt. Die meisten Kaltwasser-Auszüge lasse ich über Nacht ca 8-9 Stunden ziehen. Aber ab und an habe ich auch schon 24- oder 36-Stunden-Auszüge gehabt. Der Tee beginnt dann nicht nur sehr aromatisch zu duften, sondern schmeckt viel weniger bitter.

    Anbei eine kleine Bilderstrecke eines Tees bei dem ich es übertreiben wollte 😉 Angesetzt wurde er am 9.1.23 gegen 15 Uhr.

    Hier einmal die unbeteete Tasse und die Menge an Tee den ich aufgestreut habe. Es handelt sich hierbei um einen schwarzen Darjeeling, also einen Indischen Schwarztee

    Tasse direkt nach dem Befüllen

    Von der Seite
    Von Oben

    Ist der Tee einmal gezogen kann es sein, dass er noch nachdunkelt wenn die Blätter schon entfernt wurden. Ich vermute, dass mit dem bereits extrahierten Inhalt der Teebläter der, während des Ziehens bereits begonnene Oxidationsprozess mit der Luft weiter stattfindet bis der Tee richtig dunkel ist.

    Tasse nach etwa 24 Stunden

    Von der Seite
    Von Oben

    Tasse nach etwa 36 Stunden

    Von der Seite
    Von Oben

    Tasse nach etwa 96 Stunden

    Von der Seite
    Von Oben

    Dieser Tee hat interessanterweise viel weniger geschäumt, als ich es von anderen Sorten gewöhnt bin, aber dennoch habe ich nach fast 100 Stunden beschlossen, dass es nun an der Zeit sei die Blätter heraus zu fischen. Süß riechen tut die Tasse inzwischen auf jeden Fall und das ganz ohne Süßungsmittel.

    Geschmacklich war der Tee ähnlich einem zu lang gezogenen heißen Teeaufguss etwas auf der herben Seite, aber bei weitem nicht so stark wie man es aufgrund der Farbe vermuten würde. Ich möchte auf jeden Fall weiter damit experimentieren, ob Tee durch langes Ziehen und vielleicht die Beigabe von Hefe oder anderen Stoffen von selbst eine gewisse Süße entwickelt. Die Blätter im Beutel sind ja schon ein Produkt von Fermentation oder zumindest anfermentiert.

  • Demokratie ohne intelligente Mehrheit

    In vielerlei Hinsicht, fand ich es immer schon schwer hinzunehmen, dass die großen menschlichen Gesellschaften nicht aktiv nach immer besseren Gesellschaftsformen fahnden, sondern jede stets behauptet, die zu Ende entwickelte Krone der Gesellschaftsformen zu sein. Dieses Verhalten legt unsere moderne Demokratie genauso an den Tag wie es Aristokratien oder sogar Diktaturen getan haben. Und da bisher keine Gesellschaftsform für immer gehalten hat, möchte ich an dieser Stelle ein mögliches Endszenario für die Gesellschaftsform der modernen Demokratie erforschen, das ich über die letzten Jahre für immer wahrscheinlicher wahrgenommen habe.

    Eine Demokratie geht davon aus, dass: “Die Mehrheit einer Gruppe Entscheidungen trifft, die für die Mehrheit der Gruppe gut sind.” Wenn dieser Satz sich an einem gewissen Punkt als falsch herausstellt, hat die Essenz der Demokratie versagt und entweder besteht die Demokratie noch eine Weile ergibt aber keinen Sinn mehr, oder aber sie wird von irgendeiner anderen Kraft übernommen die in diesem Moment gerade stark ist.

    Zur Beurteilung, ob eine Gesellschaft Entscheidungen trifft die ihr nicht nützlich sind, habe ich zwar viele Ansichten, aber kann als einzelner Mensch keine Aussagen als 100% “korrekt” oder “falsch” abstempeln. In meinen Augen müssten wir uns z.B. demokratisch dafür entscheiden können, dass wir nicht möchten, dass die Wirtschaft Einfluss auf unsere gewählten Volksvertreter nimmt, oder wir müssten entscheiden, dass wir als Menschheit die auf einem begrenzten Planeten lebt eine friedliche Strategie brauchen, um wieder weniger Menschen zu werden. Aber wenn es an unsere Grundinstinkte und an unseren eigenen Komfort geht, sind wir eben nicht für eine größere Gruppe intelligent – weder privat, noch als Mehrheit. Wir beeinflussen eher die Mehrheit dazu gemeinsam eine bequeme und unvernünftige Entscheidung beizubehalten.

  • ‘Neben sich sitzen’ ist das neue ‘Neben sich stehen’

    Als IT-Mensch verbringe ich viel Zeit mit Sitzen, aber auch ansonsten ist das Sitzen inzwischen in den reichen Industrienationen von immer mehr Menschen mit immer mehr Zeit betraut worden.

    Trotz dieses Anfangs möchte ich an dieser Stelle nicht über Körperhaltung schreiben. Einem Teil meines Gehirns ist es vielmehr gelungen das restliche Gehirn bei seiner Alltagsnutzung des PCs zu belauschen und es hat festgestellt, da passiert sehr oft fast gar nichts im Kopf..

    Das ist genauso ärgerlich wie es vermutlich weitverbreitet ist. Für mich selbst fühlt es sich fast so an, als würde mein Geist vor dem PC aus mir heraustreten und, ähnlich wie im Schlaf oder in tiefer Meditation, außerhalb meines Körpers herumhängen. Leider wird man von sinnlosem und oft unbelustigtem Herumgebrowse im Internet nicht wacher und auch nicht besser gelaunt. Im Gegensatz zu Meditation fühlt sich dort auch nichts zentriert oder wach an, sondern ich sitze im wahrsten Sinne des Sprichwortes neben oder vielmehr vor mir im Bildschirm und bin unproduktiv auf der Suche dannach wie der PC mir meine Aufgaben abnehmen könnte.

    Tendenziell versuche ich daher Anwendungen zu verwenden die nicht webbasiert sind, aber ein Großteil meiner Arbeit ist nun mal mit Recherche verbunden…

    Letztlich ist auch hier wieder nur die Lösung seine Gedanken unter Kontrolle zu haben, wofür die üblichen Ansätze wie Meditation, Sport und Arbeit an der eigenen Psyche sicher die besten Methoden sind. Aber wenn man sich erstmal bewusst darüber geworden ist, dass man dazu neigt seinen Kopf in einen Monitor zu stecken, um wie ein Vogel Strauß der Realität zu entkommen oder zu prokrastinieren, kann man sich besser davon abhalten in die übliche Falle zu laufen. So mache ich inzwischen gerne die Augen zu und etwaige Musik aus, um dazu zurück zufinden was ich eigentlich am PC machen wollte wenn ich feststelle, dass mein Kopf nicht mehr arbeitet und stattdessen sinnlos der Dopaminspur durchs Internet folgt.

    Ich glaube, dass wir uns regelmäßig bewusst machen sollten, das ein PC ein Werkzeug für etwas sein sollte, das wir bereits in unserem Gehirn haben und wir mit seiner Hilfe besser oder leichter erledigen können. Wir sollten aber nie den PC benützen nur weil wir es können, sonst wird er zum Selbstzweck.

  • Unendliche Wiederkehr und Ziel des Glücks

    Auf der Suche nach einer universalen Ordnung habe ich mir auch über Wandel und Zeit Gedanken gemacht. Die Physik, bzw. Einstein hat einmal gesagt, dass es weder Zeit noch Raum gibt, sondern nur eine Raumzeit. Mathematisch oder physikalisch habe ich das nie begriffen, aber mir ist klar geworden, dass wir das Vergehen von Zeit an Wandel messen. Unsere genauesten Uhren messen dabei ja sogar direkt den pulsenden radioaktiven Zerfall von Caesium.

    Würde es also keinen Wandel geben, würde jedes Atom, jede Strahlung, alles bis aufs kleinste Ding still stehen bleiben. Es würde keine Zeit vergehen. Und falls doch, würde es niemand von uns bemerken. Während ich diesen Satz schreibe könnten im Falle eines totalen Stillstands ein paar Millionen Jahre vergangen sein, ohne dass ich es gemerkt hätte. Zeit und Wandel scheinen also aneinander gebunden zu sein, und wenn wir uns nun versuchen vorzustellen was passiert wenn sich etwas unendlich wandelt, dann bedeutet das für mich auch, dass die selbe Situation genau so und in jeder anderen Form immer wiederkehren wird. Die Unendlichkeit ist nun mal lang, und auch wenn es viele, viele Situationen geben wird in denen Dinge anders als jetzt sind, ist Wiederkehr doch unausweichlich bei einem wirklich unendlichen Wandel.

    Das ist die beste Nachricht aller Zeiten. Wir sind alle sicher und für immer in der Lage wieder und wieder Glück zu erfahren. Sicher wird es auch viel Schlimmes in der Unendlichkeit geben. Wir werden auf die grausamsten Arten sterben und leiden, aber wenn wir wissen, dass der Wandel unendlich ist, obliegt es uns selbst auf das Glück zu blicken und nicht zu zucken wenn wir vom Unheil gestreift werden.

    Nach der Logik des Chaos spielt es keine Rolle was wir im Leben tun oder auch versäumen zu tun. Unser Handeln hat keinerlei dauerhafte Konsequenz. Daher sollte es meiner Ansicht nach das allgemeine Ziel eines jeden sein, so viel Glück wie möglich zu erfahren. Allerdings hat sich gezeigt, dass wenn jeder nur nach seinem eigenen Glück strebt, bald nur noch sehr wenige glücklich sind. Die Chancen, dass man am Ende mit einem sehr viel unglücklicheren Leben endet, stehen hoch. Deshalb ist es essenziell eine Form der Gesellschaft zu leben, in der jeder ein Anrecht auf Glück hat.

  • Dogma der Dogmenlosigkeit

    Die persönlichen Dogmen zu entlarven, und sie als solche wahr zu nehmen, kann sehr hilfreich sein um sich Übersicht zu verschaffen. Das Dogma der Dogmenlosigkeit ist der Glaube daran, daß alle Dogmen, jedes Urteil – ein Vorurteil ist, und diese weder objektiv noch gut sind.

    Das Dogma der Dogmenlosigkeit ist die Überzeugung, daß:

    • Wir frei von Dogmen sein sollten.
    • Wir nicht ohne Dogmen leben können, und daher das Dogma der Dogmenlosigkeit als Ersatz brauchen.
    • Wir Dogmen erkennen sollten, damit sie uns nicht vorgaukeln die Wahrheit zu sein.
    • Wir unsere Dogmen frei wählen sollten um eine Situation aus der sinnvollsten Richtung angehen zu können.

    Bedenket: Alles ist wahr aus den Augen derer die aufrichtig daran glauben.

    Beispiel 1

    • Der Kommunist erkennt die Religiosität als Relikt eines schwachen Geistes. Bzw. Als Opium des Volkes…“ ”
    • Der Tolerante erkennt in ihr etwas, an dem der Gläubige hängt, das ihn aber auch stärken kann.
    • Der Andersgläubige erkennt darin eine Lüge.
    • Der Gläubige erkennt darin die Wahrheit.
    • Das Chaos erkennt darin irgendetwas. Keiner dieser Menschen lügt! Sie alle sprechen ihre Wahrheit.

    Dogmen sind vergleichbar mit Vorurteilen, sie schränken unser Sichtfeld ein und geben uns im Gegenzug Grundlage für unser Handeln. Wir können unser Sichtfeld nur schwerlich so erweitern, das wir wahrhaftig dogmenlos sind, daher sollten wir mit der Kraft der Vorurteile gehen, und danach streben unser Sichtfeld zwar mit Dogmen einzuschränken, allerdings frei und bewusst zu wählen durch welches Dogma wir unser Sichtfeld für den Augenblick begrenzen. So können wir alle festen Dogmen losbrechen, bewegen und damit sogar für uns nutzen.

    Beispiel 2

    Ein dogmenvariabler Mensch gibt sich Mühe die Wahrheit in den Dogmen aller Beteiligten zu sehen:

    • Er erkennt die Ziele des Kommunisten und versteht wie es ihn quält, den Gläubigen einem Relikt ohne Bedeutung folgen zu sehen, das ihn unterdrückt und belügt.
    • Er erkennt die Götter des Gläubigen und verneigt sich vor ihnen, denn sie sind allmächtig.
    • Er erkennt die Götter des Andersgläubigen und verneigt sich auch vor diesen, denn sie sind allmächtig.
    • Er erkennt, daß alle Seiten Recht haben und kann die Situation nun besser beurteilen.

  • Gewohnheiten durch Piktogramme unterstützen

    Wie vermutlich alle Menschen habe auch ich immer vor, mir bestimmte neue Gewohnheiten anzueignen und dem entgegengesetzt gibt es solche, die ich gerne wieder los wäre. Zu diesem Thema möchte ich erstmal das wunderbare Buch “Die 1% Methode” von James Clear empfehlen, das ich sehr genossen habe und immer noch regelmäßig aufschlage, um etwas nachzusehen oder mir neue Inspiration zum Thema Gewohnheiten zu holen.

    Bei mir selbst konnte ich beobachten, dass ich mich sehr gut mit Piktogrammen unterstützen kann, die entweder in einem frühen Stadium einer Gewohnheitsaneignung sowohl dazu dienen mich daran zu erinnern, dass ich gerade eigentlich etwas anderes tun wollte, als auch – wenn sie hübsch gemacht sind – sehr motivierend sein können. Mein Gedankengang, wenn mein Schweinehund-Selbst dem Piktogramm begegnet, ist dann etwa wie folgt:

    1. Oh, meine Gewohnheit X muss ich noch machen.
    2. Das ist aber wirklich hübsch, offenbar ist es mir wichtig, sonst hätte ich in Vergangenheit nicht so viel Arbeit in ein schönes Bild gesteckt.
    3. Vielleicht kommt auch noch eine, von dem Bild erweckte, Emotion dazu.

    Anbei ein paar Beispiele für solche Erinner-Mich-Piktogramme:

    Goldener Morgen

    Dieses Piktogramm liegt morgens neben meinem Wecker, um meinem verschlafenen Morgen-Ich die Netzhaut mit Motivation abzufackeln und mir die Idee zu implizieren, dass ich, wenn ich “jetzt” schnell durchstarte einen erfüllteren Morgen haben werde, der sich besser anfühlt und mich glücklicher macht.

    Eine Haube über dem Kopf, mein Meditationspiktogramm

    Dieses Piktogramm verwende ich ohne den goldenen Punkt schon eine ganze Weile, um ein Zeichen für Meditation zu haben. Der goldene Punkt kam einfach nach Bauchgefühl dazu. Ich verwende Goldfarbe aber in meinen Gewohnheitspiktogrammen gerne, um mich davon zu überzeugen, dass die Aneignung der Gewohnheit eine edle Sache ist.

    Es soll mich daran erinnern, dass nur eine verpasste Meditation eine schlechte ist und mich zumindest einmal am Tag dazu bringen in mich hinein zu horchen und zur Stille zu finden.

    Sportpiktogramm

    Ziemlich simple Handlungsaufforderung zum Sport machen, die aber, um die Wichtigkeit zu unterstreichen, etwas komplexer geworden ist.

    Abendkönig

    Am Abend den Morgen gewinnen, dieses ist das Piktogramm für alle Spätaufsteher und Menschen die nicht aus den Federn kommen. Ich nutze es, um mich daran zu erinnern, dass ich als letzte Aktion des Abends den nächsten Tag planen will, die Trümmer des aktuellen Tages soweit möglich und sinnvoll beseitigen, und mir alles zurechtmachen will sodass ich am kommenden Morgen alles vorbereitet vorfinde und nicht groß denken muss bis ich wieder in Gänze in meinem Körper angekommen bin.

    Zur Anwendung

    Zur Anwendung der Piktogramme kann ich noch sagen, dass sie an verschiedenen Orten aufbewahrt werden können, z. B. ein “Komm zur Ruhe” Piktogramm vor dem Tacho des Autos, sodass man beim Einsteigen nochmal daran erinnert wird, dass man gleich die Kraft von 80 bis 200 Pferden lenkt (je nach Auto) und damit nicht unüberlegt oder in Eile umgehen sollte. Neben solch ortsgebundenen Ablagen besteht natürlich auch die Möglichkeit sich die Bilder digital abzulegen und als Benachrichtigung einblenden zu lassen oder zeitgesteuert als Hintergrundbild setzen zu lassen.

  • Das Streben nach mehr

    Vor zwei Tagen saß ich abends draußen im Garten und betrachtete eine weiße Alba Rose die noch nicht all zu lange hier ist. Sie ist ein Ableger eines Rosenstockes meiner Ururgroßmutter die ich zwar nie persönlich kennen gelernt habe, aber die eine innige Verbindung mit Pflanzen gehabt haben soll und sowohl mir als auch meiner Mutter sympathisch im Kopf geblieben ist.

    Beim Anblick der Blüte ging mir die Frage durch den Kopf, ob ich diese Blüte wohl auf einem Familienwappen haben wollen würde, wenn ich denn eines hätte. Und an dieser Stelle ist mein Gedanke an einer Gehirnwand abgeprallt und konnte sich selbst beobachten. Wochen zuvor hätte ich geistig am liebsten eine Butterblume als Zeichen auf einem persönlichen Wappen gesehen. Aus diesem Gedankengang entspann sich in meinem Kopf sofort eine Szene, in der das Kind einer Adelsfamilie mit Wappen gerne etwas anderes auf dem Wappen hätte und es schließlich später hinzufügt.

    In den Zeiten als Wappen gesellschaftlich ein Ding waren, wurden ja auch des öfteren Wappen kombiniert, wenn zwei Menschen die bereits mit Wappen geboren worden waren Heirateten. Das wurde Teilweise sehr auf die Spitze getrieben, so ist das vermutlich komplexeste Wappen ist unter dem Stichwort Grenville Diptych zu finden und zu bewundern. Es enthält insgesamt 719 sogenannte Quarterings bei denen ein Wappen mit anderen zu einem neuen zusammengeführt wird. Siehe Auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Featured_picture_candidates/Grenville_Diptych Ein Wappen dieser Art hat eine seiner ursprünglichen Funktionen damit sicherlich schon eingebüßt. Auf dem Schlachtfeld mit einem so bunten Gemälde herum zu laufen wäre sicher eher verwirrend und würde einen zu “Team Bunt” zuordnen aber davon abgesehen würde alleine die Herstellung der Bemalung eines so komplexen Bildes nicht mehr in einem zeitlich akzeptablen Rahmen möglich sein.

    Damit ist man schon sehr weit weg von einem Anarchie A oder vielen Modernen Wappen-Nachfolgern die eher mal schnell an eine Wand geschmiert werden können.

    Über diese ganzen Heraldikgedanken wurde mir klar, wie sehr der Wunsch mehr zu sein und sich mit etwas anderem zu vereinigen sich in alle Bereiche des menschlichen Lebens fortspinnt.

    Das kann das erlernen einer neuen Fähigkeit genauso wie das streben nach Bestätigung, Reproduktion oder Essen sein. Sicher ist der Gedanke der Verschmelzung immer nur ein Teilaspekt des großen Ganzen, aber es scheint ein Aspekt zu sein der in sehr vielen Verhaltensweisen enthalten ist. Um so interessierter fand ich es darauf zu stoßen, dass der Begriff Yoga aus dem Sanskrit heraus unter anderem mit vereinigung bzw. im Englischen union übersetzt wird. Zwar kenne ich mich zu wenig mit Sanskrit oder Hinduismus aus um sagen zu können worauf sich diese Vereinigung bezieht, könnte mir aber vorstellen, dass auf physischer Ebene die Vereinigung von Atem und Körper gemeint sind und auf emotionaler Ebene die Verschmelzung mit dem gesamten Universum angesprochen ist.

    Am Ende komme ich damit in meinem Kopf an der sogenannten Illusion der Trennung an, und dem Gedanken, dass wir alle vielleicht gar nicht getrennt sind, ich das selbe bin wie der Grund auf dem ich gehe. Jeder Leser dieses Artikels ein Teil von mir ist und ich ein Teil von allen Tieren und Pflanzen bin. Ein Gefühl der Trennung scheint uns aber doch fast allen inne zu wohnen sodass wir immer bestrebt sind mehr Dinge zu uns hinzuzufügen und dennoch individuell zu bleiben.

  • Warum Freiheit nie vollkommen ist, oder die Wahl der Qual

    Diese Woche habe ich eine höchst interessante Erkenntnis zum Wert Freiheit gewonnen.

    Man kann immer nur von etwas frei sein, aber nie von allem.

    Da Freiheit aber so oft als allgemeines Wort verwendet wird, entsteht ein seltsamer Kulturkampf, bei dem die eine Seite die jeweils andere Definition von Freiheit nicht versteht. Ich habe neulich von einem Interview von einer Chinesin gehört die in Mazedonien wohnt und sich über das wachsende Aufkommen von öffentlicher Überwachung freute, damit das Land sicherer würde und sich langsam den chinesischen Standard von Sicherheit annähert. Als westlich geprägter Mensch dessen Freiheitsdefinition dazu nicht passt, vielen mir dabei ein paar Fragezeichen so hart aus der Nase, dass ich schwören könnte, es sind ein paar Nasenhaare mit daran hängen geblieben.

    Zudem habe ich noch einen Bericht eines Mannes über Frauen aus der Ex Sowjetunion gehört, die ins Ausland geheiratet hatten und teilweise wieder zurück geflohen sind, weil die “Freiheit” im Ausland ihnen zu anstrengend war und sie dahingehend “unfrei” machte. Sie wollten übertrieben gesagt laut dem Bericht lieber wieder in ihre gewohnte kleine Welt, in der sie Frei davon waren Entscheidungen treffen zu müssen. Und da hat es bei mir Klick gemacht.

    Eine westliche Definition von Freiheit könnte sein, dass dir niemand etwas vorgibt. Eine Chinesische/Russische könnte vielleicht sein, dass du dir keine Gedanken machen musst was passiert, du musst nur dem Plan des Staates folgen und ja sagen. Das befreit von Schuld an dem was passiert und nimmt einem die Entscheidungen ab.

    Beides im Grunde genommen Formen von Freiheit die sich aber sogar gegenseitig ausschließen. Das finde ich super interessant, denn es könnte bedeuten, dass absolute Freiheit ein Paradoxon ist und niemals existieren kann. Zumindest nicht auf logischer Ebene.

    Im Großen und Ganzen finde ich diesen Gedanken beruhigend, weil ich zu verstehen beginne in welcher Lücke die Menschen anderer Kulturen dahingehend im Kopf leben und wie sie sich darin entfalten können.

  • Gekämmte Spagetti im Kopf und moderne Opferstätten

    In den letzten Tagen habe ich einen Vortrag über die Bedeutung des Betens in der modernen Welt gehört. Als Kind habe ich mich auch oft gefragt, warum man den Vorgang in den Kirchen als Gottesdienst bezeichnet, denn was für einen Dienst tut man diesem Gott denn da? Was hat er davon, dass Menschen Zeit mit ihm verbringen? Zumindest da der Gott der abrahamistischen Religionen ja ohnehin laut Ansicht der biblisch Gläubigen allmächtig ist.

    Am Ende denke ich, dass das klassische Gebet wie es hierzulande Jahrhunderte lang ausgeübt wurde, nicht viel anders ist, als eine Meditation oder eine Affirmation. Man opfert Zeit und Energie die man in bestimmte Gedanken steckt, um damit das Hirn zu ordnen, sein Weltbild zu schützen, zu festigen und sicher auch, um Gedanken zu vertreiben die man selbst oder die vorherrschende Gesellschaft für unpassend hält. Fast schon eine Art Reinigungsritual.

    Was für Gedanken man da heranzüchtet und kultiviert sollte man sicher gut durchleuchten und dahingehend sind wir sicherlich heute weiter als noch vor wenigen Jahren. Allerdings glaube ich, dass zwischen der Zeit wo Religion wirklich von der breiten Masse gelebt wurde und der Jetzt-Zeit wo wieder mehr und mehr Menschen ihren Schädel von innen entdecken möchten eine Zeit lag, in der Religion nur etwas war, das man eben so machte und was dann immer halbherziger wurde, sodass die meditativen Effekte von Dingen wie Gebet bereits nicht mehr bei der Mehrheit der Menschen eintrat und die Menschen noch nicht auf der Suche nach anderen Wegen waren ihre Gedanken zu ordnen.

    Als Ordnungswerk kann ich theoretisch sogar die Rolle einer Kirche akzeptieren. Allerdings möchte ich diese als solches Ordnungswerk eines aristokratischen Urgedankens erklärt wissen und nicht als Ding, das eben so ist, weil es so ist. Wobei ich Kirche an dieser Stelle frei mit jedem anderen zielvorgebenden Kompass ersetzen könnte. Das Ganze erinnert mich an eine ursprünglich mal gut gemeinte Schatzkarte, die erklärt, wie man von einem ungeordneten Mensch hier, zu einem “guten” Mensch dort wird, indem man sich an den Vorgaben der Karte orientiert. Leider sind solche Karten in der Geschichte der Menschheit immer zum Selbstzweck verkommen und viel zu selten hinterfragt worden. Außerdem haben es findige Individuen der Geschichte geschafft, die Karten immer mal zu ihren Gunsten zu erweitern, sodass am Ende aus einfachen Lebensweisheiten ein komplexes Interpretationsmonster wie die Bibel wird, oder aus einer Anleitung zum Bedienen eines Telefons die AGBs von Apple und eine eigene Rechtsabteilung in der solche Dinge erklärt werden, wie dass man seinen Hund zum Trocknen nicht in die Mikrowelle packen sollte – und am Ende weiß dann niemand mehr worum es überhaupt ging.

    Worauf ich jedoch eigentlich hinaus wollte ist, dass ich glaube wir stehen am Ende einer entgeisterten Zeit, in der die Menschen zunehmend merken, was die Kultivierung des Geistes den alten Generationen gebracht hat und dieselben Effekte auf neuen, vielleicht sogar besseren Wegen wieder neu zu entdecken suchen. Aus irgendeinem Grund hatte ich, als mir der Gedanke dazu kam diesen Text zu verfassen, das Bild eines Menschen im Kopf, der sein Gehirn mit einem Kamm morgens und abends in die Form dessen streicht, was er erreichen will. Und aus irgendeinem Grund sah das Gehirn aus wie Spagetti mit roter Soße, die er mit dem Kamm striegelte 🙂


    Nun will ich aber noch ein paar Worte zum Thema opfern hinterlassen, denn ich glaube genau genommen kann man fast jede Aktion als Opfer an irgendetwas betrachten, wenn man es denn so sehen will. Eine Tüte Chips ist so ein Opfer an den Hersteller und den Gott der Couchpotato, so wie 10 Minuten Yoga ein Opfer an den eigenen Körper und Geist sein sollten. Zeitlich und kulturell sind wir hier inzwischen recht weit weg davon Tiere oder Menschen zu opfern, aber was wir ständig opfern ist letztlich unsere Lebenszeit, und unser Geld, das wir nur allzu oft gegen Lebenszeit eingetauscht haben, sowie schlussendlich noch Schmerz/unangenehme Gefühle. Auch das Durchhalten von Sport oder einer Dehnung kann eine Art Opfer sein. Zwischenmenschlich wird das Thema noch einmal viel bunter und kreativer. So können wir uns gegenseitig bei weitem nicht nur Zeit, sondern alle Arten von Emotionen opfern und eigentlich auch alles was die 5 Liebessprachen hergeben.

    Und doch klänge es hierzulande abwertend, oder je nachdem wer es sagt auf unterschiedliche Arten falsch, wenn jemand etwas wie “Ich opfere meiner Frau Lob und ein selbst gemaltes Bild” oder “Ich opfere meinem Mann Zeit zu zweit und meinen Rat” sagen würde. Das liegt daran, dass wir mit opfern immer etwas verbinden, das wir selbst verlieren, wenn wir es geben, sodass opfern mit Verlust und Schmerz ohne Gewinn gleichgesetzt wird. Doch ich wage mich, das als generelles Muster zu hinterfragen.

    Denn es ist doch so: Wenn wir nur tun würden, was uns im Moment glücklich macht, führt das im Allgemeinen zu einem weit weniger glücklichen Leben, als Ziele und den Willen diese über Opfer zu erreichen…