Tag: Gehirn

  • ‘Neben sich sitzen’ ist das neue ‘Neben sich stehen’

    Als IT-Mensch verbringe ich viel Zeit mit Sitzen, aber auch ansonsten ist das Sitzen inzwischen in den reichen Industrienationen von immer mehr Menschen mit immer mehr Zeit betraut worden.

    Trotz dieses Anfangs möchte ich an dieser Stelle nicht über Körperhaltung schreiben. Einem Teil meines Gehirns ist es vielmehr gelungen das restliche Gehirn bei seiner Alltagsnutzung des PCs zu belauschen und es hat festgestellt, da passiert sehr oft fast gar nichts im Kopf..

    Das ist genauso ärgerlich wie es vermutlich weitverbreitet ist. Für mich selbst fühlt es sich fast so an, als würde mein Geist vor dem PC aus mir heraustreten und, ähnlich wie im Schlaf oder in tiefer Meditation, außerhalb meines Körpers herumhängen. Leider wird man von sinnlosem und oft unbelustigtem Herumgebrowse im Internet nicht wacher und auch nicht besser gelaunt. Im Gegensatz zu Meditation fühlt sich dort auch nichts zentriert oder wach an, sondern ich sitze im wahrsten Sinne des Sprichwortes neben oder vielmehr vor mir im Bildschirm und bin unproduktiv auf der Suche dannach wie der PC mir meine Aufgaben abnehmen könnte.

    Tendenziell versuche ich daher Anwendungen zu verwenden die nicht webbasiert sind, aber ein Großteil meiner Arbeit ist nun mal mit Recherche verbunden…

    Letztlich ist auch hier wieder nur die Lösung seine Gedanken unter Kontrolle zu haben, wofür die üblichen Ansätze wie Meditation, Sport und Arbeit an der eigenen Psyche sicher die besten Methoden sind. Aber wenn man sich erstmal bewusst darüber geworden ist, dass man dazu neigt seinen Kopf in einen Monitor zu stecken, um wie ein Vogel Strauß der Realität zu entkommen oder zu prokrastinieren, kann man sich besser davon abhalten in die übliche Falle zu laufen. So mache ich inzwischen gerne die Augen zu und etwaige Musik aus, um dazu zurück zufinden was ich eigentlich am PC machen wollte wenn ich feststelle, dass mein Kopf nicht mehr arbeitet und stattdessen sinnlos der Dopaminspur durchs Internet folgt.

    Ich glaube, dass wir uns regelmäßig bewusst machen sollten, das ein PC ein Werkzeug für etwas sein sollte, das wir bereits in unserem Gehirn haben und wir mit seiner Hilfe besser oder leichter erledigen können. Wir sollten aber nie den PC benützen nur weil wir es können, sonst wird er zum Selbstzweck.

  • Das Wechselspiel von Mut und Demut

    Eine gutmütige Ballade zwischen Schädelrückwand und Nasenbein

    Aus einer starken Emotion heraus habe ich vor wenigen Tagen ein tiefes Glück empfunden. Das hat es mir erlaubt dem Leben gegenüber eine dankbare Demut zu fühlen mit der ich mir eigentlich immer sehr schwer getan habe, denn ich hatte oft nicht das Urvertrauen dazu.

    Aus dieser Begegnung mit einer positiven Demut hat mein Gehirn folgendes herausgesogen:

    Zunächst kam mir wieder einmal die Gebetsszene aus dem Film Gladiator in den Kopf. Sie trifft mein Verständnis von perfekt angewandter Demut auf den Punkt, auch wenn sie wirklich nicht lange dauert. Eine Schlacht wurde gewonnen, Maximus wird von seinen Männern geehrt und er steht im höchsten Ansehen Caesars. Gewissermaßen ist er auf dem Höhepunkt seiner Karriere und hätte verständliche Gründe dafür entweder ordentlich einen drauf zu machen oder übermütig zu werden. Doch gerade in dieser hohen Zeit wendet er sich in Demut den höheren Ebenen zu und erkennt an, dass er nicht der Herrscher dieser Realität ist und betet für seine Famile. Er gibt sich hin und dankt seinen Göttern oder allgemeiner gesprochen dem, was auch immer er in dem Moment für das Höhere empfindet.

    Diese Szene empfinde ich als ein wundervolles Beispiel von mentaler Stärke und geistiger Schönheit! Sie zeigt uns einen Menschen, der scheinbar nicht zu verführen ist und im wahrhaftigsten Sinne ehrenswert handelt. Maximus bleibt nicht nur auf dem Boden der Tatsachen, sondern hält sich förmlich daran fest. Beispielhaft wird daran klar wie er sich davor schützt übermütig zu werden, bzw. wie er seine Werte, für die er so geachtet wird, schützt.

    Eine Eigenschaft im Gleichgewicht

    Mut ist tatsächlich in sehr vielen Wörtern enthalten und Demut und Übermut sind nur zwei aus einer langen Liste von Ausdrücken, die teils positiv und teils negativ belegt sind. Hieran möchte ich mich nun aufhängen und vorschlagen, dass Mut ein Gleichgewicht ist. Zumindest aber, scheint es einem Gleichgewicht an Mut zu bedürfen, um unseren Kopf und unsere mentale Gesundheit aufblühen zu lassen.

    In seiner einfachsten Form steckt im Wort Mut selbst für mich immer eine Überwindung. Es gibt da etwas, dass sollte getan werden oder etwas das man gerne tun möchte, aber man hat Angst vor den Konsequenzen des Tuns oder davor, dass etwas am Tun schief läuft. Mut kann man in dieser Definition nur haben, wenn man sich wagt etwas zu tun trotz der Bedenken die man hat. Im “sich wagen” steckt dann übrigens der Wagemut.

    Unsere beiden Freunde von weiter oben, Demut und Übermut, scheinen indes gewissermaßen Gegensätze zu sein. Das eine erdet uns in seiner positiven Eigenschaft kann aber auch zu einem Verlust an Selbstvertrauen führen. Das andere strotzt vor Selbstbewusstsein, kann uns aber in Gefahr bringen und ist oft zwischenmenschlich störend, da es uns einen roten Teppich in die Überheblichkeit ausrollt.

    Es scheint mir, dass wir gut beraten sind von Zeit zu Zeit darauf zu achten, was für Arten von Mut uns leicht, und was für Arten von Mut uns schwer fallen. Für gewöhnlich lohnt es sich dann zu trainieren was schwer ist und Langmut erfordert 😉 Denn obwohl jeder Handlung ein winziger Funken Mut innewohnt scheint mir die reine Eigenschaft Mut alle Subeigenschaften mit Energie zu versorgen. Und wer seinen “Mutmuskel” genug trainiert dem fällt es leicht sich für die positiven Subvarianten von Mut zu entscheiden die vielleicht im Moment der Ausführung mehr “Mutenergie” benötigen als die Negativen, doch im Gegenzug zu Gesundheit, Glück und Achtung führen, anstatt einen sozial und emotional in ein Spinnennetz zu verstricken.


    Was daraus für mich folgt

    Für mich selbst nehme ich aus diesen Gedanken die beiden folgenden Vorsätze mit: Gegenüber allen die mir nahe sind möchte ich mir immer den Mut erhalten zu handeln wenn mir ein Handeln richtig erscheint, denn Mut ist ein integerer Teil einer jeden gesunden und glücklichen zwischenmenschlichen Beziehung. Gleichzeitig soll es mein Bestreben sein mir genauso auch die Demut zu bewahren, die es mir erlaubt, dem Leben und den Menschen von Herzen offen und auf Augenhöhe zu begegnen, denn ich möchte nicht verlernen mit Freude und Hingabe für meine Überzeugungen und meine lieben Menschen sorgen und dienen zu können.

    Also habt Mut zum mutig sein, meine Freunde!
    Er nutzt sich ab wenn man ihn nicht nutzt.

    PS

    Anbei noch eine kleine mutige Sammlung die ich in der deutschen Sprache gefunden habe. Es kann durchaus sein, dass es noch weitere Arten gibt, aber das sind alle die ich bisher entdecken konnte. Wobei ich Eigenschaften die man nicht selbst sein kann ausgelassen habe wie z.B. “Armut”

    Mut(ationen)

    • Langmut
    • Hochmut
    • Demut
    • Unmut
    • Schwermut
    • Übermut
    • Anmut
    • Freimut
    • Frohmut
    • Großmut
    • Edelmut